Bürgerpark Waldstadion

Reden wir mal über Alternativen

Bei der Kundgebung für den Sport- und Bürgerpark in Langendamm am 02.07.2019 hieß es von Seiten der Vereine, es sei besser für etwas zu sein, als gegen etwas. Das übersieht die Tatsache, dass es Alternativen jenseits des Schwarz-Weiß-Denkens gibt und man zugleich für einen Turnierplatz in Langendamm und für einen Bürgerpark im Waldstadion sein kann.

Bürgermeister Wagner äußerte in der vergangenen Sitzung des Ausschusses für Schulen, Kultur und Sport am 24.06.2019 gegenüber Werner Vogel, dass seitens des Bundes von den Antragsstellern erwartet werde, dass man mit der Sanierung von Sportstätten städteplanerische Impulse setzen müsse, man also keine 08/15-Sportstättensanierungen darunter fassen könne. Dieses Geld bekomme man für gewichtige Maßnahmen. Die „Trauben dieses Antrags“ hingen hoch und so waren die Kriterien für die Projektskizze eine Herausforderung. Liest man jedoch die formellen Kriterien des BBSR , dann findet man von alldem kein Wort. Dort heißt es vielmehr: „Gefördert werden investive Projekte mit besonders sozialer und integrativer Wirkung. (…) Ein Qualitätsmerkmal der Projekte ist eine gute Einbindung in das städtische Umfeld. (…) Die Zweckbindung ist die Sanierung der kommunalen Infrastruktur.“ Aspekte, die umstandslos für alle Sportstätten Varels gelten, auch und vor allem für das Waldstadion. Die besondere Schwierigkeit für die Stadtverwaltung bei der Antragsskizze war weniger die Erwartungshaltung, wie man eine „gewichtige Maßnahme“ entwickelt, sondern wie man den eigenständigen Neubau einer Sportstätte so beschreibt, dass er als Ersatzneubau interpretiert werden kann. In den Antragsformalien steht eindeutig, dass der Altbau einer Sportstätte abgerissen werden muss, da „es sich sonst um einen eigenständigen Neubau handelt, nicht um einen baulich unmittelbaren Ersatz. Ein Ersatzneubau muss im Wesentlichen den gleichen Charakter haben wie vorher (einschließlich neuerer Anforderungen und Auflagen). (…) Gibt es zudem eine Erweiterung, die nicht unwesentlich ist, muss diese aus der Gesamtsumme des Projektes herausgerechnet werden. Unwesentliche, den ursprünglichen Charakter nicht verändernde Erweiterungsbauten sind förderfähig. (…) Grundsätzlich soll die örtliche Unmittelbarkeit für den Ersatzneubau gegeben sein. Damit ist ein Ersatzneubau an anderer Stelle im Stadtgebiet nicht möglich.“ Ausnahmen sind möglich, müssen aber zwingend begründet und belegt sein. Diese Begründung aber bleibt die Projektskizze weitgehend schuldig, denn dort heißt es nur: „Das Projekt ist das zentrale Schlüsselprojekt – quasi der Startschuss zur Umsetzung des SSEK der Stadt Varel. Mit der Sanierung gleich zweier Sportstätten entstehen deutliche stadtentwicklungspolitische Impulse.

Die Zusammenführung an einem Standort führt zu einer enormen Entlastung sowie besonderer regionaler und überregionaler Wahrnehmbarkeit. (…) Der SBP fügt sich in das Wohnumfeld Langendamm/Innenstadt städtebaulich ein und liefert unter baukulturellen Aspekten eine interessante, qualitative Erweiterung.“ (vgl. Projektskizze, Begründung des Projektes).

Zusammengefasst: Das zentral gelegene Waldstadion mit den angrenzenden Flächen wird verkauft und bebaut, um in Langendamm seinen Ersatz zu finden. Diesen Flächenverkauf bezeichnet man gegenüber dem Bund als Sanierungsmaßnahme und erklärt, dass man in Langendamm städteplanerische Impulse schafft. Diese aber werden nicht benannt und verfolgt man die aktuellen Entwürfe, so ist der einzige Impuls ein Zuwachs an Autoverkehr in Langendamm bzw. auf der Barthelstraße.

Bürgermeister Wagner hat in der oben genannten Ausschusssitzung auch zugegeben, dass er keine Alternative zu den präsentierten Entwürfen hat entwickeln lassen. Trotzdem gibt es – schon seit 2013 in den Skizzen von Jens Pöhlandt, Gymnasiallehrer am LMG und Fachbereichsleiter Sport, einen Gegenentwurf, der bisher offensichtlich konsequent ignoriert wurde. In den Kreisen, die sich für den Erhalt des Waldstadions einsetzen, kursiert zudem der durchaus begründete Entwurf eines Bewegungs- und Bürgerparks Waldstadion bei gleichzeitiger Sanierung eines erweiterten Tunierplatzes in Langendamm. Würde in Langendamm der Feldplatz dergestalt saniert werden, dass er den neuen Wettkampfkriterien entspricht und man auf den vorhandenen Flächen zwischen Windallee und Steinbrückenweg eine Version des Volksparks für Training, Bewegung und Erholung entwickelt, wäre die Fianzierung mit Förderung und bestehenden Eigenmitteln gewährleistet. In dieser Konstellation würde die Stadt Varel tatsächlich stadtentwicklungspolitische Impulse setzen. Die kommenden Generationen der Stadt werden es zu schätzen wissen, wenn heute eine zentrale, innerstädtische Grünfläche als Bewegungs- und Bürgerpark zum Erholungsort gesichert wird.

Bürgerpark-Waldstadion-klein

Schlicht zusammengefasst sprechen folgende Punkte für die Sport-und Trainingsflächen Windallee/Steinbrückenweg:

  • sie liegen in zentraler Lage der Stadt Varel und sind vor allem für die Schulen im Stadtgebiet die direkt erreichbaren Sportflächen,
  • sie hätten einen sozial integrativen Charakter, weil auch Jugendliche ohne Vereinszugehörigkeit gegenwärtig dort gerne kicken,
  • sie stellen räumlich mit der Umgebung einen historisch gewachsenen Stadtraum dar (was die Kommune mit der Erhaltungssatzung auch anerkannt hat), sie bilden eine räumliche Einheit zur Freizeitfläche Weberei,
  • sie haben für die zukünftige Stadtentwicklung der Stadt Varel einen unschätzbar hohen Wert, denn im Zusammenhang mit dem Wald stellen sie einen innerstädtischen Erholungsraum von unvergleichbarer Qualität dar,
  • sie haben mit dem Haus Tivoli und der Heinz-Neukäter-Schule/Pestalozzischule zwei weitere wichtige Bezugspunkte kommunaler Aufgabenbereiche (Kultur und Bildung), die ein enormes bildungskulturelles Potenzial darstellen.

Eine soziokulturelle Nutzung dieser Areale wäre genau der Aspekt und Impuls, an die das Bundesinnenministerium und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gedacht – und die es erwartet hat. Demgegenüber erschreckt die Vorstellung Wagners, Varel auf die Überholspur bringen und endlich Gas geben zu wollen– so seine Worte auf der Veranstaltung am 02.07. auf dem Sportplatz Langendamm vor den Fußballvereinen. Wer mit Vollgas auf der Überholspur dahin jagt, hat vor allem Lust, sich in dem machtvollen Gefühl der Geschwindigkeit zu spüren, ohne dabei die Umgebung, durch die er rast, wahrzunehmen. Verantwortungsvolle Politik aber im Sinne der Stadt setzt darauf, dass Bestehende zu wahren, um Zukunft zu ermöglichen.

waldstadion-varel

 

von Norbert Ahlers

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2 Antworten zu Bürgerpark Waldstadion

  1. Alexander Westerman schreibt:

    Es gibt noch einen ganz Aspekt. Bisher ist man davon ausgegangen, dass es Bestandteil der Förderrichtlinien sei, dass das Waldstadion verkauft werden muss, um die Fördergelder zu erhalten – dem ist aber nicht so. Wenn das Waldstadion in Teilflächen oder als Gesamtfläche verkauft wird, ist es der Reine der politische Mehrheitswille, aber nicht mein Wille.

  2. rolfhartmann schreibt:

    Ich bin froh, wenn das Waldstadion mit den umliegenden Bereichen nicht verkauft wird sondern um eine bürgergerechte Nutzung nachgedacht wird. Ich sehe nach wie vor in der Umnutzung der Dehardehalle als Veranstaltungs- und Kulturhaus eine wunderbare Möglichkeit für die Stadt Varel, insbesondere weil das Tivoli (im Besitz der Stadt und nicht über eine Stiftung nur betreut) ergänzend daneben steht. Hinter den Gebäuden eine Begrünung mit schattenspendenden Arealen und möglicherweise einem Teich wäre für mich ein Wunsch. Dass ich aus dem Gebäude des Arbeitsamts -Agentur für Arbeit (ehemals Reichsbank) gern ergänzend ein Museum für Zeitgenössische Kunst (sagen wir mal etwa aus den letzten 100 Jahren etwa) mit angeschlossenem Museumscafe machen würde füge ich gern hinzu. Welche Zierde der Stadt würde so entstehen können……..

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