Ein Knoten in Varel

Hellmut-Barthel-Straße / Quelle: Stadt Varel

Es braut sich etwas zusammen, das sich in einer Kostenexplosion entladen könnte: Der Knotenpunkt an der Hellmut-Barthel-Straße.

Die Stadtverwaltung hat am 09.07.2019 im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Umweltschutz den konkretisierten Entwurf für den Sportpark vorgestellt. Die besondere Schwierigkeit ist die verkehrstechnische Anbindung, denn über die jeweiligen Zufahrtstraßen des Langendammer Sportgeländes, den Herrenkampsweg und die Schuhmacherstraße, wird der prognostizierte Verkehr nicht zubewältigen sein. Daher heißt es in der entsprechenden Präsentation:

Die Erschließung erfolgt für den motorisierten Verkehr von der Hellmut-Barthel-Straße über eine Verlängerung der Straße im Bereich des ehemaligen Fußballgolf-Geländes. Der dortige Knotenpunkt soll eine Ampelanlage erhalten. Über die gleiche Zuwegung (dann allerdings über eine geschützte Nebenanlage) können die Fußgänger und Radfahrer aus Richtung Norden den Sportpark erreichen.

die geplante Entflechtung des Knotenpunktes /Quelle: Stadt Varel

Dieser Knotenpunkt entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als ein ausgesprochen schwieriger Knoten: Nicht nur, dass die notwendige Verbreiterung der Hellmut-Barthel-Straße als Baustelle den Lieferverkehr der Papier- und Kartonfabrik Varel (PKV) temporär beeinträchtigen wird (Vgl. nebenstehendes Luftbild); auch die Ampelanlage wird seitens der PKV ausgesprochen kritisch gesehen. So äußerte sich Sönke Klug, Unternehmenssprecher der PKV, mit folgenden Worten:

Pro Tag erreichen im Durchschnitt 300 bis 350 LKW unser Werk, die uns vor allem unseren Rohstoff Altpapier (…) liefern. Im Interesse einer effizienten und nachhaltigen Logistik organisieren wir die Verkehre so, dass möglichst viele dieser LKW wieder beladen mit fertigen Produkten für unsere Kunden das Werk verlassen und nicht leer kommen oder leer abfahren. (…) Angesichts des Verkehrsaufkommens sind wir nicht davon überzeugt, dass eine Ampelanlage an der beschriebenen Stelle eine gute Lösung wäre. Wir befürchten unter anderem erhebliche Rückstaus zu der nahen Ampelanlage an der Kreuzung zur B437.“

Klug geht davon aus, dass der Bedarf an umweltfreundlichen Verpackungen aus Altpapier steigen wird und der Betrieb stellt sich auf diese wachsende Nachfrage ein. Daher rechnet er damit, „dass die Zahl der LKW-Verkehre dadurch in den nächsten Jahren um 10 bis 15 Prozent steigen könnte.“ Dass diese Perspektive ernstzunehmen ist, zeigt sich nicht zuletzt in den umfangreichen Investitionen der PKV, mit der der Vareler Standort modernisiert wird. Die PKV beschäftigt mehr als 500 Mitarbeiter und ist als bedeutende Arbeitgeberin bei der Diskussion um die Entwicklung des Sportparks kaum zu ignorieren.

Wenn das geplante Wettkampfstadion (Typ B) und der neue Kunstrasenplatz realisiert werden, dann ist an diesem Knotenpunkt nicht nur mit einem Stau des Lieferverkehrs zu rechnen, sondern auch ein stetig wachsendes Aufkommen an Individualverkehr zu erwarten. Es wird nicht nur der Verkehrsfluss der PKV empfindlich gestört werden, sondern die Planung der Stadtverwaltung zeigt auch, wie wenig zukunftsorientiert das Verkehrskonzept der Stadt Varel ist: Die von Bürgermeister Wagner immer wieder betonten stadtpolitischen Entwicklungsimpulse, die er durch den Sportpark Langendamm erwartet, sind bisher nur in einem greifbar: Es wird mehr Individualverkehr mit dem Auto geben und den Warenverkehr der PKV behindern.

Es wird auch kaum jemanden in Varel überzeugen, dass just an dieser Kreuzung die Schüler auf dem Weg zum Sportunterricht oder Jugendliche zum Vereinstraining mit dem Fahrrad die Straße sicher überqueren können, an der es 2018 – ebenfalls an einer Ampelkreuzung – zu zwei schweren Unfällen kam, bei denen Sattelzüge Fahrradfahrer lebensgefährlich verletzten.

Das kann nicht die Lösung sein und eine Ausweitung der Hellmut-Barthel-Straße zu einer mehrspurigen Zufahrtstraße inklusive Unterführung für Fußgänger und Fahrradfahrer, ist sehr wahrscheinlich kaum finanzierbar oder eben nur, wenn man eine Kostenexplosion in Kauf nimmt.

von Norbert Ahlers

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